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Die Digitalisierung der Energiewirtschaft – von der Braunkohle ins Silicon Valley!?

Wie disruptive Technologien einen Traditionssektor revolutionisieren und die Energiewende vorantreiben

Im Zuge meiner Arbeit im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie beschäftige ich mich schon seit längerem mit der Digitalisierung sowohl im Industrie-, als auch im Konsumentenbereich. Industrie 4.0, Big Data, Internet of Things, Artificial Intelligence sind nur einige wenige der Technologien, die bereits jetzt dabei sind, die Welt wie wir sie kennen von Grund auf zu verändern. Dass viele dieser Disruptoren allerdings auch im Energiebereich zu tiefgreifenden Veränderungen führen werden und bereits tun, ist mir vor allem während meines kürzlichen Besuchs im Silicon Valley vor Augen geführt worden.

Silicon Valley 2

Denn neue Technologien führen nicht nur zu neuen Produkten und Dienstleistungen für Kunden, sondern rufen selbst in den größten Energieriesen tiefgreifende Veränderungen hervor. Die neue digitale und innovative Landschaft verlangt nach Dezentralisierung und Flexibilisierung und Start-Ups werden ein immer zentralerer Bestandteil in diesem Bereich. Hier ist vor allem von den großen, traditonellen Unternehmen Umdenken gefordert. Dass dies keine Zukunftsmusik mehr ist, hat mir vor allem die deutsche RWE gezeigt. Die Firma hat in den letzten Jahren ein radikales Umdenken ihrer Unternehmensstrategie vorgenommen bzw. vornehmen müssen und die Tochter Innogy als Innovationstreiber für das ganze Unternehmen etabliert – Inklusive Standort für Innovations-Scouting im Silicon Valley – für tradtionelle Energieunternehmen noch vor Jahren undenkbar.

Bei meinem Besuch im 70 km langen Streifen südlich von San Francisco habe ich einen Einblick in die Visionen von morgen und übermorgen bekommen. Denn eines ist klar: Die Energiewirtschaft verändert sich rasant weg von einer Produktions- und Infrastrukturwirtschaft und hin zu einer Dienstleistungsbranche. Alles wird digitaler, smarter: Smart Grids, Smart Meter, Smart Homes. Um langfristig zu überleben, müssen sich Energieunternehmen künftig noch mehr am Kunden orientieren – die Zukunft liegt im Service, nicht in der Erzeugung. Doch nicht nur Kunden, sondern auch Daten werden immer wichtiger: Über kurz oder lang werden sich viele Energieunternehmen regelrecht zu IT-Unternehmen entwickeln und Daten als neues Geschäftsmodell für sich entdecken. Cloud-Technologie, Big Data oder M2M Kommunikation werden immer wichtiger für das Überleben werden. Wie es Jeff Immelt, CEO von General Electrics, ausdrückt: „You go to bed as an industrial company, you wake up in the morning as a software company“.

Silicon Valley 1

Doch nicht nur Energieproduzenten selbst stehen vor einer Veränderung: Auch unsere Energieinfrastruktur wird sich grundlegend wandeln. Bereits jetzt sind sogenannte „Prosumer“ kein Fremdwort mehr: Bürger_innen erzeugen immer häufiger ihre Energie selbst und liefern überschüßige Energie sogar wieder ans Netz zurück. Und genau hier liegt auch die Zukunft: Die Digitalisierung wird zu einer Dezentralisierung der Strukturen führen. Zusammenschlüsse von Kleinsterzeugern, autarke Energiekommunen, verstärkter Austausch durch Microgrids und Speicherung von Energie werden immer wichtiger werden sein. Vor allem im Speicherbereich sehen viele die nächste Revolution im Energiebereich, egal ob E-Fahrzeuge, PV-Hausspeicher oder Großbatterien.

All diese Veränderungen können nicht nur einen großen Mehrwert für Konsumenten bringen, sondern vor allem uns dabei helfen, Energieeffizenz-Potentiale besser zu nutzen und unsere energiepolitischen Ziele schneller und effektiver zu erreichen. Doch hierfür ist auch die Politik gefragt: Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, um eine solche digitale Wende zu ermöglichen und vor allem Innovation nicht zu behindern. Hier geht es vor allem darum, ein level-playing field zu schaffen und Überregulierung zu vermeiden. Denn nur so werden wir den energie- und klimapolitischen Herausforderungen der Zukunft gewachsen sein.