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Mein Praktikum im Europäischen Parlament

14.03.2015 Clemens Gaiger

Nachdem ich nun vier Monate in einer der spannendsten demokratischen Institutionen Europas gearbeitet habe, und noch dazu in einem so großartigen Team, ist es für mich nicht einfach diesen Blogeintrag zu schreiben. Immerhin handelt es sich hierbei um meine letzte „offizielle Amtshandlung“ als Praktikant im Büro unserer Europaabgeordneten Angelika Mlinar im Europäischen Parlament.

Schon meine ersten Arbeitstage haben mir die gewaltigen Ausmaße und die Komplexität des Europäischen Parlaments vor Augen geführt. Und zwar nicht nur was die politischen Abläufe und Entscheidungsfindungen betrifft, sondern auch ganz banal die Dimension des Gebäudekomplexes sowie die parlamentsinterne Bürokratie. So hat es doch einige Tage gedauert, bis ich wusste wo sich welcher Sitzungssaal befindet, welches der unzähligen Formulare ich wofür brauche und wer im Parlament sowie in unserer Fraktion, der ALDE, welche Funktion inne hat. Ich habe mich zwar im meinem Studium lange und intensiv mit der Funktionsweise der Europäischen Union beschäftig und auch die Medienberichte regelmäßig verfolgt, aber mitten im Geschehen zu sein ist dann doch ganz etwas ganz anderes.

The Team
Das vollständige „Team Angelika“

Jedenfalls war ich sehr rasch in die inhaltliche bzw. politische Arbeit für die Ausschüsse ITRE (Industrie, Forschung und Energie) und LIBE (Bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres) sowie die Delegation für die Beziehungen zu den Maschrik-Ländern (DMAS) und die Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China (D-CN) miteinbezogen. Dabei hatte ich unter anderem Einblick in Debatten rund um so wichtige Themen wie das Transatlantische Handelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP), den Umgang mit dem umstrittenen Passenger Name Record (PNR), der Umsetzung der milliardenschweren Investitionsoffensive von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sowie die Förderung von „Female Entrepeneurship“ in der EU.

Natürlich waren nicht alle Themen mit denen ich mich in diesen vier Monaten beschäftigt habe, so aufregend und spannend wie die eben genannten. In Gesprächen zu Tagesordnungspunkten wie etwa jener zu „Interoperabilitätslösungen für europäische öffentliche Verwaltungen, Unternehmen und Bürger (ISA²): Interoperabilität als Mittel zur Modernisierung des öffentlichen Sektors“ geht es dann schon etwas trockener zu. Aber auch das gehört dazu. Meine Aufgaben bestanden also nicht aus Kaffe machen (auch wenn sich unsere Kaffeemaschine über unser Büro hinaus überaus großer Beliebtheit erfreut) und kopieren, wie es leider bei anderen Praktika so üblich ist, sondern um echte inhaltliche und organisatorische Arbeit.

Apropos organisatorische Arbeit: einen österreichischen Glühweinabend für unsere Freunde von der ALDE im Europäischen Parlament zu organisieren, gehörte dank der völlig jenseitigen bürokratischen Hürden des hausinternen Caterers und des Sicherheitsdienstes zu einer meiner größten Leistungen. Doch immerhin kann ich nun behaupten – nach dem Ausfüllen zahlreicher Formulare und dem Erfüllen irrealer Auflagen – eine erfolgreichen Empfang mit typisch österreichischen (teils selbstgekochten) Speisen und Getränken im EP veranstaltet zu haben. Aber das nur nebenbei.

Glühwein Party
Unsere Glühwein Party für die ALDE

Das Leben in Brüssel beschränkt sich für Praktikant_innen natürlich nicht nur auf die eigentliche Arbeit im Parlament selbst. Das Netzwerken zwischen den Praktikanten und den EU-Beamten sowie den Mitarbeitern unzähliger Interessensvertretungen und Firmen gehört hier selbstverständlich auch dazu, wobei der Place de Luxembourg vor dem Parlament mit seinen zahlreichen Bars sowie die abendlichen Empfänge und Partys die Zentren darstellen. Im Laufe meines Aufenthalts in Brüssel habe ich so nicht nur viele Bekanntschaften gemacht, sondern auch tiefe Freundschaften geschlossen.

Wer also nichts gegen neue Bekanntschaften, ein internationales Umfeld und leidenschaftliche Debatten in den Ausschüssen und Abseits davon hat und auch einmal den Wanderzirkus nach Straßburg erleben möchte (Stichwort: Single Seat), ist im Europäischen Parlament bestens aufgehoben. Kurz: Praktikant im EP zu sein bedeutet, den Puls der Europäischen Union zu fühlen. Das gilt ganz besonders für all jene, die die Möglichkeit erhalten ein Praktikum im großartigen „Team Angelika“ zu absolvieren.

Von Clemens Gaiger