« Zurück zur Übersicht

K4I – Knowledge for Innovation und Politik für die Zukunft

 

Mlinar K4I K4I – Knowledge for Innovation und Politik für die Zukunft

Ein Rückblick auf eine Veranstaltungsreihe im EU-Parlament, in deren Lenkungsausschuss ich Mitglied bin – aus der Feder von Patrick Müllner, der von September bis Dezember Praktikant in meinem Büro in Brüssel war:

7:15 Uhr – Die Kaffeemaschine startet von selbst und weckt so Sophie auf. Irgendwas muss in der Fabrik passiert sein, denn sonst erinnert die Maschine sie erst um acht Uhr daran, aufzustehen. Und tatsächlich, ein erster Blick auf das Display im Badezimmerspiegel verrät, dass es zu einem Produktionsstillstand gekommen ist. Der Kollege in Australien konnte mittels Fernwartung zwar die betroffene Maschine auswechseln, aber nicht reparieren. Als Sophie aus dem Haus geht, wartet bereits das selbst-hergefahrene Auto auf sie und setzt sich in Bewegung sobald sie eingestiegen ist. Während der Fahrt hat sie Zeit den Bericht durchzugehen, der vom Team der Ferndiagnose in Südkorea bereitgestellt wurde. Im Bericht ist ein Video inkludiert, das von einer Fabriksdrohne stammt und den Schaden mit Kommentaren ausreichend dokumentiert hat. So weiß Sophie bereits bevor sie die Fabrik betritt, was zu tun ist und startet noch im Auto einen Reparaturroboter und kommandiert ihn zur betroffenen Maschine, um sie bei der Arbeit zu unterstützen. In der Fabrik setzt sie sich aufs Rad und fährt vorbei an den selbstfahrenden Zuliefer-LKWs und getakteten Produktionsketten, durch die menschenleere Produktionshalle zu der kaputten Maschine.

K4I Start

Das ist keine Szene aus einem Science-Fiction-Roman, sondern so, oder so ähnlich, könnte der alltägliche Arbeitstag für viele Menschen in den kommenden Jahren aussehen. Die Bedingungen für diese Bespiele aus der Welt der Industrie 4.0 werden schon heute gelegt. Roboter, ausgestattet mit Künstlicher Intelligenz (KI), ermöglichen autonome Fabriken, ultraschnelles 5G Internet und Virtual Reality befähigt uns zu grenzenloser Konnektivität um den Globus und die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Implikationen. Dies waren nur ein paar der Themen, die auf der Tagesordnung des achten Europäischen Innovations-Gipfels (8th European Innovation Summit) standen. Der Gipfel, der von 14. bis 17. November 2016 im Europäischen Parlament in Brüssel stadtfand, brachte Vertreter aus der Industrie und Forschung, der Zivilgesellschaft und politische Entscheidungsträger zusammen, mit dem Ziel eine Plattform für gegenseitigen Austausch zwischen Forschung, Gesellschaft und Politik bereitzustellen.

Mehr als 800 Teilnehmer_innen nahmen auf Einladung des Knowledge4Innovation Forum (K4I) die zukünftigen Neuerungen im technischen Bereich in Europa unter die Lupe. Prof. Jerzy Buzek, Vizevorsitzender des K4I und ehemaliger Präsident des Europäischen Parlaments unterstrich in seiner Eröffnungsrede nicht nur die Erwartungen der Bürger_innen für innovative Lösungen, sondern betonte auch die Wichtigkeit, hoffnungsvoll in die Zukunft zu sehen, gerade in einem Umfeld der wachsenden Instabilität. Andere Ehrengäste wie Lambert van Nistelrooij (Vorsitzender des K4I) setzten die Perspektive in den Vordergrund, dass es hier auch um die Berufe von morgen geht und Europa im globalen Kontext wettbewerbsfähig sein muss. Die Europäische Kommission war vertreten durch die Kommissare Tibor Navracsics (Bildung, Kultur, Jugend und Sport), Corinna Creţu (Regionalpolitik), Carlos Moedas (Forschung, Wissenschaft und Innovation) und Günther Oettinger (Digitale Wirtschaft und Gesellschaft). Sie thematisierten sowohl das Bildungssystem, das junge Menschen befähigt, auf die Berufe der Zukunft vorbereitet zu sein, als auch die Unterstützung von Innovation auf regionalem Level und die Schließung der Lücke zwischen Digitalisierung und Innovation.

K4I Oettinger

Selbstfahrende Autos sind der Bevölkerung erst seit kurzem ein Begriff, in einem anderen Bereich allerdings sind diese Systeme schon längst erprobt: In den USA sind selbstfahrende Mähdrescher im Einsatz schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Ein Ackerfeld ist bei weitem nicht so komplex wie der Berufsverkehr und daher auch einfacher umzusetzen und zuzulassen. Satellitenbilder in Verbindung mit Big Data könnten bald mehr über eine Ernte aussagen, als deren Bauern und um die Anwendung von schädlichen Pestiziden auf ein Minimum zu reduzieren, werden sie bald zielgerichtet auf einzelne befallene Pflanzen via Drohne gesprüht und so der schädliche großflächige Einsatz hinfällig. Man sieht, so wie das Smartphone unseren Alltag umgestaltet hat, bleibt nicht einmal der traditionelle Sektor der Landwirtschaft von der digitalen Evolution unberührt.

Die Anwendung von Robotern wird sich in den kommenden Jahren nicht mehr ausschließlich auf riesige Industrieroboter beschränken. In verschiedensten Formen werden sie in unsere Alltagsleben einziehen. Sei es nun als Pflegeroboter, um die Lücke in der Altenbetreuung zu schließen und Pflegekräfte bei ihrer körperlich anstrengenden Arbeit zu unterstützen, oder als autonome Lieferdrohnen, so wie sie von Amazon bereits geplant werden. Diese rapide Entwicklung im Hardwarebereich wird begleitet von immer besser angepasster Künstlicher Intelligenz, die es den Robotern erlaubt, selbständig immer mehr zu entscheiden. Des weiteren wird durch diese besseren Programme auch repetitive Arbeit im Büro automatisiert. Viele fürchten, dass selbst die Arbeit von Hochqualifizierten von KIs übernommen wird, aber die Jobs die durch diese Technologien übernommen werden sind meist schablonenhaft und es nicht wert, das kreative Potenzial von Menschen zu verschwenden. Bessere Jobs werden entstehen und das Leben im Generellen wird bei weitem einfacher.

Beschleunigt wird diese Entwicklung zusätzlich durch immer billigere und leitungsfähigere Mikroprozessoren, die gemäß dem Mooreschen Gesetz exponentiell besser werden. Die einzige natürliche Grenze für die minimale Größe der Transistoren wird erreicht, wenn sie so klein sind, dass quantenmechanische Effekte, wie der Tunneleffekt auftreten. Abhilfe könnten hier die sogenannten Quantencomputer leisten, bei denen einzelne Atome als Bits fungieren und wir so in der Lage wären, mit der Materie an sich zu rechnen und Möglichkeiten erhalten, von denen wir jetzt noch gar nicht träumen können.

Das waren nur einige Beispiele, die an diesem Gipfel besprochen wurden. Aber egal welche Innovationen und Visionen sich in Zukunft realisieren, unsere Gesellschaft wird sich mit ihnen fundamental und immer schneller ändern. „Technonlogy is nothing you vote for“, sagte bereits Bill Gates und tatsächlich – aufhalten können wir den Wandel nicht. Was wir allerdings heute schon tun können, ist uns dafür zu entscheiden vorbereitet zu sein, wenn der Wandel kommt. Wir sollten uns eine gewisse Flexibilität aneignen, unseren Kindern die beste Bildung in Naturwissenschaften und Technik ermöglichen und auch Erwachsene zu lebenslangem Lernen ermutigen um Schritt zu halten. Als Gesetzgeber sollten wir schon im Vorhinein klären, welche Rechte Konsumenten und Produzenten erhalten, um Rechtssicherheit zu haben und Fragen des Datenschutzes beantworten. Die Gesellschaft als Ganzes muss sich bald den ethischen Fragen stellen, die sich mit der Erschaffung künstlichen Bewusstseins und fühlenden Maschinen stellen. Auf jeden Fall blicken wir in eine sehr spannende Zukunft.