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Charlie Hebdo und die Freiheit

Die Verfolgung der Mörder der 12 Menschen und die Geiselnahmen kamen zu einem blutigen Ende. Europa und die Welt sind erschüttert und traurig, stehen aber auch geeint gegen die Bedrohungen der freien Demokratie.

Mit wenigen, aber dennoch namhaften Ausnahmen.

Die Front National mit Marine Le Pen an der Spitze plädiert für die Einführung der Todesstrafe, und Ungarn sendet mit seinem fragwürdigen Repräsentanten Viktor Orban seltsame Signale in Richtung Einschränkung der „liberalen Einwanderungspolitik“.

Damit sind wir beim Kern des Schmerzes und der Angst, die wir dieser Tage wohl alle verspüren. Was passiert mit deiner, meiner, unserer Freiheit und werden wir uns diese selbst einschränken unter dem Prätext der Sicherheit?

Die Demokratie, der Rechtsstaat und die Meinungsfreiheit werden in diesen Tagen angegriffen und das nicht nur von religiös-ideologischen Fanatiker_innen, sondern auch von politischen Geisterfahrer_innen, wie Pegida & Co, die die liberale Demokratie für einen Fehler halten.

Eine offene Gesellschaft, die das Potential des einzelnen Menschen fördert und jeder/m Einzelnen von uns die Möglichkeit gibt, das eigene Leben so zu gestalten, wie es ihr oder ihm entspricht, ist eine empfindliche Pflanze, die gepflegt und gehegt werden muss. Sie ist aber vor allem eine Errungenschaft, die es wert ist mit aller Kraft verteidigt zu werden. Zu jeder Zeit und gegenüber jeder/m, die/der sie bedroht. Ich stimme auch mit Georg Hoffmann-Ostenhof im aktuellen Profil überein, wenn er meint „Die Pariser Redaktion von „Charlie Hebdo“ repräsentiert das, was den Westen ausmacht, wahrscheinlich in stärkerem Maße als die Wall Street in New York.”

Ich fürchte mich aber weniger vor durchgeknallten Fanatiker_innen, die nur nach einem Grund suchen, um ihre mörderischen Absichten auszuleben. Das hat weniger mit Religion zu tun. Religion ist genau so gut ein Grund, wie irgendwas anderes. Es hat wohl eher was mit der menschlichen Natur an sich zu tun, wie Anders Behring Breivik oder Timothy McVeigh zeigen.

Im Gegensatz dazu fürchte ich mich mehr vor politischen Bewegungen, die unsere Freiheit untergraben. Das ist für mich die echte Bedrohung. Und gegen die müssen wir uns gerade in diesen Tagen mit aller Kraft und Klarheit stellen.

In Wahrheit ist das Einzige, was den Drang von Fanatiker_innen, Gott spielen zu wollen, hintanhält, ein funktionierender Rechtsstaat. Es ist deshalb auch ein Drama, dass die Verantwortlichen bei der Verfolgung umgekommen sind. Ein faires Gerichtsverfahren hätten unsere Demokratie und unsere Freiheit gestärkt.

Mein Kollege Niki Scherak in seinem Blog “Ich mag verdammen, was Du sagst…“ liefert hier übrigens auch einen lesenswerten Beitrag.